Studienkredite - Die KfW drängt private Anbieter aus dem Markt

BankLounge, 22.02.2007

Von Leander Hollweg

Expertenbericht

Unter Hinweis auf vermeintliches Marktversagen hat die staatliche KfW-Bankengruppe private Angebote aus dem Geschäft mit Studienkrediten weit gehend verdrängt. Dabei ist der Markt attraktiv: Nachdem Studiengebühren Anfang 2005 vom Bundesverfassungsgericht erlaubt wurden, hat sich eine beachtliche Nachfrage nach Studienkrediten entwickelt.

Kompakt

  • Private Anbieter waren mit Studienkrediten schneller auf dem Markt als die KfW. Dennoch wurden sie von der Staatsbank schnell vom Markt verdrängt.
  • Das angebliche Marktversagen auf diesem Markt ist ein vorgeschobenes Argument. Die für Studienkredite notwendigen Verfahren zur Bewertung immaterieller Wirtschaftsgüter sind hinreichend fortgeschritten.
  • Der Markt für Studienkredite ist ein attraktiver Wachstumsmarkt. Verbreitet sich das Know-how in der Risikobewertung, kann sich das Blatt zugunsten der privaten Anbieter wenden.

Komplett

Obwohl Deutsche Bank, Dresdner Bank, Volksbanken und Sparkassen mit eigenen Studienkrediten früher auf dem Markt waren als die KfW, fühlte sich das staatseigene Institut aufgerufen, unter Hinweis auf ein behauptetes "Marktversagen" eigene Studiendarlehen zu lancieren. Dabei ging die KfW mit Zinskonditionen an den Markt, die der private Wettbewerb als Dumping empfinden musste. Seither sind keine neuen privaten Studienkreditangebote mehr entstanden. Eine Reihe von Instituten, die zuvor noch originäre Studienkredite geplant hatten, gaben ihre Vorbereitungen auf und schlossen sich (notgedrungen) der KfW als Vertriebspartner an.

Das war abzusehen. Schon früh, im Februar 2005, hatten Mahner wie die "Bundesfachkommission Innovation und Information" des CDU-Wirtschaftsrates gewarnt: "Die Ankündigung der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW, das Angebot von Studentenkrediten zu übernehmen, sollte nicht zur Verdrängung privater Initiative führen ... In den USA ... haben sich private Bildungskredite zu einem gut funktionierenden Markt entwickelt, weshalb sich der Staat in wesentlichen Teilbereichen wieder zurückzieht."

Die Vermutung grundsätzlichen Marktversagens, auf die sich diese Staatsfixierung stützt, beruht vor allem auf dem Glauben, dass immaterielle Wirtschaftsgüter wie Humankapital, Wissen, Patente, Marken, Kunstgegenstände usw. nicht zuverlässig zu bewerten und - bei darauf abgestellter Kreditvergabe - dass das inhärente Risiko nicht bestimmbar sei. Tatsächlich besteht das Problem aber eher in einer mangelhaften Datenbasis und in ungenügender analytischer Anstrengung. Auch die Immobilienbewertung brauchte ihre Zeit, bis Kaufpreissammlungen und Mietenspiegel hinreichend zuverlässige Wertgutachten und einen schwunghaften Hypothekenmarkt ermöglichten.

Deshalb sollten Fortschritte bei der Bewertung immaterieller Wirtschaftsgüter von der Kreditwirtschaft sorgfältig beobachtet und ernsthaft erprobt werden. Zu diesen Fortschritten zählen in jüngster Zeit

  • Computersysteme zur Patentbewertung,
  • quantifizierte Wissensbilanzen,
  • IT-unterstützte Preisschätzungen für Kunstwerke

und nicht zuletzt das "Student Loan Rating", eine automatisierte Karriereprognose für studentische Kreditnehmer.

Seit Anfang 2007 befindet sich dieses Verfahren bei einer norddeutschen Sparkasse im kommerziellen Einsatz. Bei konsequenter Anwendung erlaubt es eine deutliche Reduzierung der Risikokosten in der Vergabe von Studienkrediten. Und bietet damit der privaten Kreditwirtschaft eine neue Chance, auch gegen die staatliche Konkurrenz zu punkten.

Da das für Banken bislang schwierige Problem der Risikobewertung von Studiendarlehen damit gelöst ist, könnte sich das Blatt für private Anbieter auf diesem Markt noch einmal wenden. Die Aussichten sind Attraktiv: Angaben der KfW zufolge beantragten im Zeitraum April bis Dezember 2006 rund 19.000 Studierende einen Studienkredit bei der KfW. Verfolgt man die KfW-Mitteilungen, so dürfte sich die Zahl der monatlichen Anträge seit dem Start in den darauf folgenden Quartalen jeweils verdoppelt haben. Zahlen der Mitbewerber, allen voran Deutsche und Dresdner Bank, deuten auf einen Absatz von insgesamt rund 30.000 Bildungsdarlehen im Jahr 2006. Für 2007 darf man etwa 45.000, und um 2010 bereits gut 100.000 Neukredite an Studenten erwarten.

Die Lernkurve der politisch Verantwortlichen verläuft allerdings flach. Jüngst hat ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) beauftragtes Gutachten zur Finanzierung des lebenslangen Lernens die Schaffung von Krediten für die Weiterbildung gefordert - erneut von der KfW.

Weitere Informationen zur Tenman GbR unter: www.10man.de